Yoga Teacher Training in Haiti

Manch Unwissender mag vielleicht sagen: “Wozu brauchen Menschen in Haiti Yoga? Die haben ja wohl weiß Gott andere Probleme!” Ja, das stimmt, aber genau das ist der Punkt. Haiti war bereits vor dem Erdbeben, einer der größten Naturkatastrophen unserer Zeit, das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Seine Einwohner haben unzureichend Zugang zu allem, was für uns selbstverständlich ist: Essen, Wasser, Kleidung, Bildung – um nur ein paar wenige unserer Selbstverständlichkeiten zu nennen.

Mit dem Erdbeben wurde das Leiden maßlos

Dann kam das Erdbeben und hinterließ hunderttausende Waisenkinder und Menschen ohne Behausung. Die Armut, die man sich hier kaum vorstellen kann, blieb nicht nur; sie wurde schlimmer und brachte noch zusätzliche Probleme mit sich: Krankheit und Traumata! Nicht nur Kinder, auch Erwachsene sind verängstigt und verstört. Eine Psychotherapeutin, die aus den USA einflog, um zu helfen, berichtet von Müttern, die bei jedem Geräusch hystherisch ihre Kinder packen und unter den nächsten Tisch flüchten – sofern die Familie zu den wenigen Glücklichen gehört, die überhaupt noch eine Hütte, geschweige denn einen Tisch besitzt. Wie sollen diese Mütter ihren Kindern erklären, dass sie jetzt keine Angst mehr haben müssen? Wie sollen diese Menschen wieder Zugang zu sich selbst finden und wie sollen Sie ihre Kindern dabei unterstützen, wieder frei durchatmen zu können?

Yoga kann helfen, posttraumatische Ängste und Stressymptome zu lindern

Die positiven Wirkungen von Yoga sind allgemein bekannt. Und sie helfen auch Menschen in Katastrophengebieten. Die YogaKids Bridge of Diamonds Foundation hat dies erkannt und freiwillige Yogalehrer nach Haiti geschickt, um dort mit Camp- und Waisenhauskindern zu arbeiten. Die Resultate sind beeindruckend. Diese Kinder, denen oft aus Geldmangel jeglicher Zugang zu Bildung verwehrt wird und die kaum Ansprechpartner haben, um über ihre Ängste zu sprechen, finden auf der Matte zu sich selbst. Sie genießen den Moment und lernen einfache Maßnahmen, die sie auch nach den Yogastunden praktizieren können. Das Projekt wurde so positiv aufgenommen, dass nun nicht nur monatlich Freiwillige nach Haiti fliegen, um dort diese wichtige Arbeit fortzuführen. Inzwischen fand sogar das erste YogaKids Teacher Training in Haiti statt. Camp- und Waisenhausmitarbeiter sowie Lehrer lernen, wie sie Yoga nutzen können, um diesen Kindern, die in unbeschreiblicher Armut und Unsicherheit aufwachsen, zu helfen, ihre Traumata zu verarbeiten. Es ist ein kleiner Anfang, aber das Engagement vor Ort lässt hoffen, dass dieser Anfang in eine Bewegung münden kann, die vielen Kindern hilft, positiv in eine hoffentlich bessere Zukunft zu blicken.